05.05.2026

Vom Geschichtenerzählen zum Schreiben 

Ein Interview, das Stefan Kappner (biografika.de) mit mir geführt hat

Ulla Keleschovsky arbeitete in der Hauskrankenpflege und Seniorenbetreuung, bevor sie sich dem Geschichtenerzählen und schließlich dem Schreiben zuwandte. Heute betreibt sie die Internetseitseite ullasresonanzraum.de und bietet schreibpädagogische Veranstaltungen an. Aber das ist nur ein kleiner Teil Ihrer vielfältigen Interessen …

Stefan Kappner: Liebe Ulla, spielte das Schreiben schon bei den Seniorennachmittagen eine Rolle, die du gestaltet hast?

Ulla Keleschovsky: Nein, bei den thematisch gestalteten Nachmittagen wurde ausschließlich erzählt, gespielt und gesungen.
Das Einzige, was schriftlich festgehalten wurde, waren gelegentliche Rätselfragen, deren Antworten erst nach ausführlicher Beratung der Senioren untereinander aufgeschrieben wurden.
Die meisten der betagten Frauen kamen aus der Landwirtschaft. Häufig fanden sie sich auch zu gemeinsamen Stunden in Strickkreisen zusammen, denn dort ließ es sich ebenfalls vortrefflich erzählen.
Meiner Erfahrung nach leben viele ihrer Geschichten in den Herzen der nachfolgenden Generationen weiter.

Wie kamst du dann zum Schreiben?

Ich führe seit vielen Jahren intensiv Tagebuch und bin auch leidenschaftlich mit der Lyrik verbandelt. Schreiben bedeutet für mich, meine Gedanken zu sortieren, die sonst im Chaos versinken würden. 

Doch bevor ich mich intensiv mit dem Schreiben auseinandergesetzt habe, war ich Erzählerin von Märchen und Geschichten.

Wie meinst du das? Auf der Bühne?

Ich hatte schon immer diese Liebe zu Geschichten – nicht nur zu den Geschichten der älteren Menschen, sondern auch zu Märchen, Sagen und Mythen.
Auf der Suche nach einer Bildungsreise stieß ich dann auf ein Angebot der Goldmund Erzählakademie in München: eine Erzählreise nach Schloss Goldrain in Südtirol.
Dieser Kurs war so inspirierend und voller Freude, dass ich anschließend weitere Seminarwochen zum freien Erzählen an verschiedenen Orten belegte, sowie einen Kurs zur Geschichtenerfinderwerkstatt mit Kindern.
Danach machte ich mich auf die Suche nach Möglichkeiten, meine Fähigkeiten auch einzusetzen und zu erzählen.
Ich wurde in Kindergärten, Grundschulen, Büchereien, zu Kindergeburtstagen und in einer Kinderklinik eingeladen, mit meinen Programmen »Mitmachmärchen«, »Geschichtenerfinderwerkstatt« und dem »Erzählen mit dem Kamishibai«.
Außerdem erzählte ich in Seniorenwohnheimen, auf einem Märchenschiff, in einem Erzählsalon, auf einem Stadtfest, auf Weihnachtsmärkten sowie auf privaten Weihnachts- und Geburtstagsfeiern.

Warum wolltest du dann auch schreiben?

2009 meldete ich mich erstmals zu einem einwöchigen Schreibworkshop an.
Hier wurde meine Liebe zum Haiku geboren. Mich fasziniert, dass ein Haiku Wesentliches in wenigen Worten einfängt und im Kopf der LeserInnen ein Bild erzeugt.
Und ich mag die traditionelle Form mit 5, 7 und wieder 5 Silben.
Mein erstes Haiku schrieb ich nach einem Spaziergang in einem Park:

Die Bäume noch kahl
Sonnenstrahlen brechen durch
erwecken Leben

2012 nahm ich an einem mehrtägigen Workshop zum Thema „Biografisches Arbeiten mit Gruppen“ teil.

Dass es danach richtig losging mit dem Schreiben, lag nicht zuletzt an der Corona-Pandemie und sehr viel einsamer Zeit.

Um mich daraus zu befreien, belegte ich ein Fernstudium für literarisches Schreiben und eine Online-Ausbildung zur Schreibpädagogin. Mein Ziel war es, das Schreiben in seiner Vielfalt kennenzulernen, um mich auch schreibend so ausdrücken zu können wie als Erzählerin.

In der schreibpädagogischen Ausbildung wurden zahlreiche Arten und Spielformen des kreativen Schreibens vermittelt, darunter autobiografisches, philosophisches, phantastisches und poetisches Schreiben. Wir lernten viele Methoden und Übungen kennen, Schreibspiele, kommunikatives Schreiben, Freewriting, inspirationsfördernde Methoden, produktive Schreibtechniken, Cross-arts-Schreiben, literarische Spaziergänge, Poetry Slam etc. Jede dieser Methoden hat ihren besonderen Charme — wenn ich etwas hervorheben soll, dann waren es für mich die literarischen Spaziergänge durch die verschiedenen Gattungen und Genres 

Hinzu kamen Informationen zu Aufbau und Praxis eigener Schreibwerkstätten.

Sowohl beim freien Erzählen als auch beim Schreiben geht es ja um Geschichten. Wie hast du den Übergang vom einen zum anderen erlebt? Worin bestehen für dich die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden »Medien«?

Übergänge jeglicher Art sind für mich immer fordernd, herausfordernd, teils überfordernd.

Beim Erzählen war ich gleich mitten im Geschehen und lebte von der Resonanz, den leuchtenden Kinderaugen, von der Anerkennung, von der Wertschätzung. Ich wurde gesehen mit meiner Mimik, meiner Gestik, meinem ganzen Sein. Das hat unglaublich motiviert und war sehr erfüllend.

Das war anfangs beim Schreiben anders. Da war ich erst einmal außerhalb des Geschehens. 
Da ich keine bin, die einfach nur so vor sich hinschreibt und dabei in der Tätigkeit selbst ihre Erfüllung findet — ich brauche immer einen Grund und eine Perspektive —, suchte ich mir Verbündete und eröffnete mir die Möglichkeit, mein Schreiben auch nach außen zu tragen. So kam es immer wieder zu Lesungen und einer kleinen Lesereise in den letzten Jahren mit geschätzten SchreibkollegInnen. 

Mein Fazit: Das Lesen eigener Texte ist definitiv anders und wird auch anders wahrgenommen als das freie Erzählen von Geschichten, die in der Welt schon zu Hause sind und die auch jeder versteht.

Was unternimmst du derzeit im Bereich Schreiben und was bietest du an — auf deiner Internetseite oder anderswo?

Ich liebe Projekte - mal sehen, was sich an Ideen noch so alles umsetzen lässt - daher meine Einladung an die geneigte Leserschaft, immer mal wieder meinen Resonanzraum zu besuchen und im Blog oder unter Veranstaltungen vorbeizuschauen. 

Liebe Ulla, vielen Dank für dieses (Schreib-)Gespräch! 

 

 

01.05.202

Zines

Was ich total gern mag sind kleine Büchlein gestalten, die es in sich haben - Das Zitat am Ende ist wie immer natürlich von mir ;)

----------------------------------------------

23.04.2026

Fehler im System - Songtext - Rap-(c) by me

Weit weg am "grünen Tisch" bin ich systemrelevant, ein „tragender Pfeiler“, vom Schicksal gesandt. Sie zählen mich mit, wenn sie Statistiken biegen, doch lassen mich dann bei den Rechnungen liegen. Mein Wert wird erkannt, doch in Floskeln serviert, damit man am End die Bilanz nicht verliert. Ich bin politisch gewollt, solange ich kaum etwas  koste, während ich hier an der Front ganz langsam verroste

Ich lieg im Bett, die Decke drückt, der Kopf ist zu laut, hab mir aus Pflichtgefühl ein Gefängnis gebaut. Die Augen sie brennen, der Körper wie Blei, doch im Kopf zieht die endlose Liste vorbei: Rechnungen zahlen, ist das Konto gedeckt? Apotheke, Rezepte – hab ich alles gecheckt? Einkaufen, Wochenplan, was fehlt im Regal? Die To-do-Liste wächst, es ist jedes Mal Qual. Wann war der Termin? Werden Werte jetzt schlechter? Ich bin Pflegerin, Köchin und der Eltern Wächter. Ich will nur noch schlafen, nur ein bisschen vergessen, doch ich werd von den eigenen Sorgen gefressen.

„Und nur weil ich die Tochter bin“, wird erwartet, dass ich schweig’, dass ich mich dem Schicksal tief beug’. Die Gesellschaft verpflichtet mich moralisch zum Verzicht: „Das macht man aus Liebe“, mehr zählt hier wohl nicht. Man erwartet mein Opfer zum Nulltarif – ein eiskalter Deal: Wer dafür Geld verlangt, dem wird Gier unterstellt, weil Liebe scheinbar alles von alleine hält. Sie taufen es Hingabe, um mich stumm zu halten, während sie mein Leben wie Akten verwalten. Ein System, das mir viel zu viel abverlangt, bin damit an die Belastungsgrenze gelangt. Ein System, das auf Opfern von Pflegenden basiert, Ist ein System, das am End kollabiert.

Das Pflegegeld reicht hinten und vorne nicht, Der Staat spart an uns und bricht seine Pflicht. Ja, ich bin müde, am Ende, labil, doch ich bin nicht das Problem in diesem Spiel. Ich mach jetzt den Rücken gerade und sage: Ich bin nicht der Fehler, trotz all dieser Tage. Nicht ich bin der Fehler, egal wie ich mich fühl’. Der Staat ist der Fehler – in seinem Kalkül. Er ist das System, das nur Elend sät, Und ich bin diejenige, die ihn noch trägt.

Und das alles nur, weil ich die Tochter bin ...

 

_______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

04.04.2026

Märchen mit allen Sinnen: Der große Märchen-Spiele-Parcours

Märchen sind nicht nur zum Zuhören da – man kann sie entdecken und erleben!

In meiner Arbeit als Erzählerin ist es mir ein Anliegen, die alten Stoffe der Brüder Grimm so lebendig wie möglich zu gestalten. Besonders in Schulen und Kindergärten stelle ich fest: Kinder lieben es, selbst Teil der Geschichte zu werden. 

Stellt euch vor, eine Gruppe von Kindern taucht gemeinsam in diese Welt ein und tritt spielerisch gegeneinander an. Dabei geht es nicht nur um Wissen, sondern vor allem um Geschicklichkeit, Teamgeist und Konzentration. Jede Station ist einem berühmten Märchen gewidmet und verwandelt die Erzählung in ein haptisches Erlebnis, das kleine und große Entdecker gleichermaßen begeistert.

Ein Blick in die Spielstationen:

  • Aschenputtel – Die Linsen-Probe: „Die guten ins Töpfchen...“ Unter Zeitdruck müssen Erbsen und Linsen sortiert werden. Hier sind flinke Finger und zwei helfende „Tauben“ (Mitschüler) gefragt.

  • Frau Holle – Das Feder-Rennen: Wer hat den längsten Atem? Mit Strohhalmen bewaffnet müssen Federn über eine weite Strecke gepustet werden, ohne dass sie den Boden berühren.

  • Rapunzel – Das Flecht-Duell: Wer flechtet unter Zeitdruck den längsten Zopf aus Wollfäden? Ein Riesenspaß, der Feinmotorik und Schnelligkeit kombiniert.

  • Der Froschkönig – Suche im Brunnen: Ein Kind (der Frosch) muss mit verbundenen Augen die goldene Kugel im „Brunnen“ finden, während die Prinzessin mit „Warm-Kalt-Rufen“ die Richtung weist.

  • Dornröschen – Die Fehler-Falle: Hier ist genaues Hinhören Pflicht! Ich lese das Märchen vor, baue aber absichtlich Fehler ein. Wer zuerst buzzert und den richtigen Wortlaut kennt, sammelt Punkte für sein Team. 

 

22.03.26

Frühlingserwachen statt Frühjahrsmüdigkeit

Kräuterexpertin begeistert mit ihrem Wissen:

Während die Natur langsam aus dem Winterschlaf erwacht, fühlen sich viele Menschen oft antriebslos. Dass dagegen nicht nur ein Kraut gewachsen ist, konnte uns die zertifizierte Kräuterpädagogin Mirjam Reus eindrucksvoll in ihrem jüngsten Vortrag unter dem Titel „Frühjahr ohne Müdigkeit“, veranstaltet durch die Bücherei in Freigericht/Horbach, aufzeigen.

Wildkräuter als natürliche Nährstoffbomben

Vor zahlreichen interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern erläuterte die Expertin die biologischen Ursachen der klassischen Frühjahrsmüdigkeit. Sie zeigte auf, wie der regelmäßige Genuss heimischer Wildkräuter den Körper nach der dunklen Jahreszeit optimal mit essentiellen Nährstoffen und neuer Energie versorgen kann.

Bitterstoffe: Ein Erlebnis für die Geschmacksnerven

Ein besonderes Highlight des Nachmittages war der Praxistest. Um die Wirkung von Bitterstoffen auf die Verdauung und den Stoffwechsel nicht nur zu erklären, sondern spürbar zu machen, lud die Kräuterfrau zur Verkostung von Gänseblümchen und der Engelwurz-Wurzel ein.

Kulinarik und Austausch

Im Anschluss verwandelte sich die Veranstaltung in einen Marktplatz der Sinne. Die Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, bei kulinarischen Köstlichkeiten wie frisch zubereitetem Kräuterquark und immunstärkendem Kräutertee individuelle Fragen zu klären. Besonders beliebt waren die nach den Rezepten der Hildegard von Bingen selbstgebackenen „Nervenkekse“.

Abgerundet wurde das Programm durch

eine Kreativ-Station: Die Gäste befüllten eigene Kräutersäckchen für zu Hause,

sowie durch eine Buchausstellung mit einer Auswahl an Kräuter-Romanen und Sachbüchern für vertiefende Informationen rund um die Welt der Kräuter.

„Es ist mir ein Anliegen, das alte Wissen um unsere heimischen Pflanzen wieder in den Alltag der Menschen zu bringen“, so Mirjam Reus über den gelungenen Nachmittag.

 

Erstelle deine eigene Website mit Webador